Schweigend saß der Cherokee Großvater mit seinem Enkel am Lagerfeuer und schaute nachdenklich in die Flammen. Die Bäume um sie herum warfen schaurige Schatten, das Feuer knackte und die Flammen loderten in den Himmel.
Nach einer gewissen Zeit meinte der Großvater: „Flammenlicht und die Dunkelheit, wie die zwei Wölfe, die in unseren Herzen wohnen“.
Fragend schaute ihn der Enkel an.
Daraufhin begann der alte Cherokee seinem Enkel eine sehr alte Stammesgeschichte von einen weißen und einem schwarzen Wolf zu erzählen.
„In jedem von uns lebt ein weißer und ein schwarzer Wolf. Der weiße Wolf verkörpert alles was gut, der Schwarze, alles was schlecht in uns ist. Der weiße Wolf lebt von Gerechtigkeit und Frieden, der Schwarze von Wut, Angst und Hass.
Zwischen beiden Wölfen findet ein ewiger Kampf statt, denn der schwarze Wolf ist böse – er steht für das Negative in uns wie Zorn, Neid, Trauer, Angst, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Groll, Minderwertigkeit, Lüge, falscher Stolz und vieles mehr.
Der andere, der weiße Wolf ist gut – er ist Freude, Friede, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Wahrheit und all das Lichte in uns.
Dieser Kampf zwischen den beiden findet auch in dir und in jeder anderen Person statt, denn wir haben alle diese beiden Wölfe in uns.“
Der Enkel dachte kurz darüber nach und dann fragte er seinen Großvater: „Und welcher Wolf gewinnt?“
Der alte Cherokee antwortete: „Der, den du fütterst!“
Die Geschichte handelt von der kleinen Seele, die zu Gott sprach:
„Ich weiß, wer ich bin! – Ich bin das Licht!“ Gott lächelte und antwortete:
„Ja, du hast Recht, du bist das Licht.“
„Da ich jetzt weiß, wer ich bin, könnte ich das auch nicht sein?“, fragte die Seele. Gott sprach: „Du meinst, dass du sein willst, was du bereits bist?“ „Ja, ich möchte fühlen, wie es ist das Licht zu sein.“
„Nun, dass hätte ich mir denken können bei deiner Abenteuerlust, aber es gibt da so eine Sache…“
„Was denn?“ fragte die Seele verwundert.
„Nun, es gibt nichts anderes als Licht. Ich habe nichts anderes erschaffen als das, was du bist. Wie kannst du also herausfinden, dass du Licht bist, wenn du nur von Licht umgeben bist.“
„Hast du eine Idee – du bist doch Gott!“, sagte die Seele frech.
„Ja, tatsächlich fällt mir etwas ein…da du das Licht bist und dich nicht erkennen kannst, wenn du nur von Licht umgeben bist, werden wir dich einfach mit Dunkelheit umhüllen.“
„Was ist Dunkelheit?“ Die Seele war neugierig.
„Die Dunkelheit ist das, was du nicht bist. Wenn du von der Dunkelheit umhüllt bist, habe keine Angst und stelle dich nicht gegen sie – sei das Licht in der Dunkelheit und du wirst wissen, wer du bist – etwas Besonderes wie alle anderen Seelen – jede auf seine Art und Weise.“
„Wow super, ich kann also so besonders sein, wie ich will?“, jubelte die kleine Seele.
„Ja, du kannst sofort damit anfangen – wie möchtest du denn besonders sein?“, fragte Gott die Seele.
Diese war verwirrt. „Was meinst du mit, wie?“
„Naja, etwas besonderes zu sein, kann viel bedeuten. Es ist etwas Besonderes, freundlich zu sein. Es ist etwas Besonderes, geduldig zu sein. Es ist etwas Besonderes, mutig zu sein. Du kannst alles auf einmal sein – oder auch nur ein Teil davon. Was meinst du dazu?“
„Ja ich weiß, wer ich sein will! Ich möchte der Teil des Besonderen sein, den man Vergebung nennt.“
„Das ist prima…“ freute sich Gott. „Allerdings gibt es da einen Haken…“
„Ohje, was denn noch?“ seufzte die kleine Seele.
„Es gibt niemanden, dem du vergeben müsstest.“
„Keinen einzigen?“, die Seele konnte es kaum glauben.
„Keinen! Denn alles, was ich erschaffen habe, ist vollkommen. Alle Seelen im Himmelreich strahlen hell, schön, leuchtend und vollkommen. Also wem willst du nun vergeben?“
Da trat eine weitere Seele hervor und machte einen Vorschlag: „Ich kann dir helfen, kleine Seele. Ich kann in dein nächstes Erdenleben kommen und dir etwas antun – dass du mir vergeben kannst!“
„Oh wirklich?“ die kleine Seele freute sich sehr. „Das würdest du für mich tun – deine Strahlen zu verringern, um dunkel zu werden?“
„Ja, weil ich dich lieb habe und du das auch bereits für mich getan hast. Weißt du nicht mehr? Wir waren schon alles – wir waren beide Mann und waren Frau, waren gut und waren schlecht, waren rechts und waren links. So helfen wir uns gegenseitig das auszudrücken, was wir wirklich sind. Aber wenn ich der Bösewicht in deinem nächsten Erdenleben sein werde, musst du mir einen Gefallen tun, kleine Seele.“, sprach die zweite Seele und wurde ganz still.
„Was für einen Gefallen? Alles, was du willst, denn du bist wirklich ein Engel, dass du das für mich tun willst.“
Gott fügte hinzu: „Ja, alle Wesen sind Engel. Denke stets daran, ich habe dir immer nur Engel geschickt!“
Die zweite Seele erklärte:“ Nun in dem Moment, in dem ich dir etwas Schlimmes antue, denke daran, wer ich wirklich bin.“
„Oh ja das werde ich bestimmt“, versprach die kleine Seele.
„Denn du musst wissen, ich werde mich so verstellen müssen, dass ich mich selbst vergessen werde. Wenn ich vergesse, wer ich bin, vergisst vielleicht auch du, wer ich bin. Dann sind wir beide verloren.“
„Nein, nein…ich vergesse nie, wer wir sind. Ich werde mich erinnern und dir dankbar sein, dass du mir das Geschenk machst, mich zu erfahren, wer ich wirklich bin.“
Und so schlossen die beiden Seelen ihre Vereinbarung und in jedem Augenblick dieses neuen Erdenlebens dacht die kleine Seele an die Worte von Gott:
“ Denke stets daran, ich habe dir immer nur Engel geschickt.“